Archiv für Februar 2009

im TV gesehen: Tatort – Herz aus Eis

Dienstag, 24 Februar, 2009

Langweilige deutsche Boden(-ständige)see Kommissare treffen auf „Eiskalte Engel“. Das war wohl etwas zuviel des Guten bei „Herz aus Eis„. Die Blum wirkt etwas verloren in ihrer viel zu engen Bluse (hat die Gute zugenommen?) zwischen den düsteren und abgezockten Internatszöglingen, die keine Skrupel haben mal kurz ihren Mitschüler unter Drogen zu setzen und danach kaltblütig zu ersäufen. Der Zuschauer weiss das alles und die Blum hinkt hinterher. Perlmann emanzipiert sich nebenbei von der alten Schrulle und löst den Fall praktisch alleine. Wenigstens gab es gute Bilder vom kalten Bodensee-Eis und ebenso eiskalten und fahlen Gesichtzügen des Mörderpäarchens. Wertung: 5/10, Extra-Punkt dabei für die coolen Nachwuchsschauspieler-Leistungen (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: o % – man war ja im Bilde und hoffte, die ganze Zeit nur die olle Blum zieht auch rechtzeitig nach).


Foto: SWR

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Heinz Erhardt zum 100. – Das hat man nun davon

Samstag, 21 Februar, 2009

Datei:Goettingen Denkmal Heinz Erhardt.JPG

Als Mitdreißiger bin  ich quasi mit ihm aufgewachsen. Denn für meine Eltern gab es Mitte der Achtziger keine besseren Filme, die ihr Junior auch mal mitschauen durfte. Und so wurden die Wiederholungssendungen (zumeist) im ZDF zur Geburtststunde meiner Sympathie für Heinz Erhardt. Am 20. Februar wäre der große akribische Meister des Wortwitzes 100 Jahre alt geworden. Und was macht die ARD, sie will es/ihn feiern. Aber die beste Gelegenheit, den Menschen hinter dieser berühmten Brille vorzustellen, hat die ARD am Donnerstag abend zu bester (sonst Pilawa-Show-) Zeit verspielt. Schade. Dennoch konnten einige Dokus in den Dritten und die Wiederholungen der (besseren) Filme auf Premiere Nostalgie die Laune bessern. Deswegen hier, die Top-3-Filme mit Heinz Erhardt:

1. „Natürlich die Autofahrer„: Der Klassiker. Trude Herr, Peter Frankenfeld. Passionierter Nichtfahrer gewinnt in Lotterie Auto und muss den Führerschein machen. Unendlich komisch. Und gedreht in Göttingen. Meiner Uni-Stadt. Oft fuhr ich mit dem Fahrrad (anders bewegt man sich da nicht fort) die Schauplätze des Films ab. Allen voran der Blumengeschmückte Kreisel am Deutschen Theater, wo im Film Erhardt während seiner Führerscheinprüfung eine Gangsterverfolgungsjagd vollführt, die allerdings nur gefilmt wird. Am eigens für Heinz in Gö aufgestellten Denkmal „Heinz Erhardt (1909-1979) in dem hier in Göttingen gedrehten Film ‘Natürlich die Autofahrer’ (D 1959)“ bin in Richtung Uni natürlich fast täglich vorbei gefahren.

2. „Drillinge an Bord„. Dreimal Erhardt, Dreimal Bollmann. Für diese frühe Zeit eine durchaus gelungene technische Umsetzung einer Verwechslungskomödie auf hier See, in der nebenbei auch noch eine Tresorknackertruppe hochgenommen wird. Der Klassiker: Erhardts Lied: „Linkes Auge blau…“

3. „Das hat man nun davon„: In dieser Sendung, eigentlich ein Theaterstück,  die 1970 aufgezeichnet wurde, und die ich erstmals in seiner seltenen Ausstrahlung 1989 vor einer Klassenfahrt nach Torfhaus/Harz sah, steht Amtsschreiber Willi Winzig (Heinz Erhardt) kurz vor seiner Pensionierung und muss einen Verrückten spielen, um aus Steuerschwierigkeiten herauszukommen. Kommt bekannt vor, richtig! Heinz Erhardt hatte in der Rolle des Willi Winzig einen großen Erfolg auf der Bühne: Er spielte den Finanzbeamten über 500 Mal. Aber richtig erfolgreich war die Rolle erst im Film „Was ist denn nur mit Willi los“. Aber das Theaterstück ist herzhafter, ehrlicher und Heinz-Pur! Auch wenn der Ohrwurm-Song „Grüezi wohl Frau Stirnema“ fehlt…

Trotzdem! Einprogrammieren!

ZDF Theater ZDF Theater 24.02.2009 | 19:40
Das hat man nun davon

Lustspiel von Wilhelm Lichtenberg

bis 21:10 (90 Min)

Im TV gesehen: Tatort – Neuland (HR)

Mittwoch, 18 Februar, 2009

Dellwo ermittelt alleine, fährt aufs Land zu seiner verheirateten Ex-Geliebten, trinkt im Saloon einen Whisky und ist mitten drin im Kleinod-Western der hessischen Provinz. Braucht kein Mensch (schon gar nicht den ekelhaften WC-Schimanski-Stil), ich hatte definitiv keinen Zugang zum Kommissar, zur Geschichte und zu den Frankfurter Cops ja eh nicht… und lieber nebenbei gesurft – passiert (wenn auch selten am Sonntagabend!). (Ohne wirkliche) Wertung: 2/10, da die Old-School-Mucke echt das einzige war, das mitriss! (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: o % – hat mich überhaupt nicht  interessiert!).


Foto: HR

Im TV gesehen: Tatort – Familienaufstellung (RB)

Mittwoch, 18 Februar, 2009

Schon wieder, könnte man sagen. Und das zu Recht. Schon wieder ein „Tatort“, der dritte in wenigen Monaten, der sich in der türkischen Parallelgesellschaft aufhält, schreibt der Focus nicht ohne Grund – also ist die Erwartungshaltung eine sehr niedrige. Doch man wird überrascht! Die Geschichte fesselt, man taucht ab in diese modern und angepasste, aber dennoch traditionelle, türkische Familie und ist gefangen vom Fall und auf der verworrenden Suche nach dem Mörder. Ein sehr guter Tatort aus Bremen – was ja nicht immer der Fall ist. Ok, die Story mit dem Hund ist mehr als überflüssig, und die Schauspieler lassen ein wenig Authenzität vermissen (Sinan Toprak als Clan-Chef, Dennis Moschitto – dem der Weichei-Türke nach Chiko gar nicht zusteht – und Kostja Ullmann, dem man den Türken nun echt nicht animmt!) – aber hey, dafür ist es ja TV, also Unterhaltung. Das war sehr gute Unterhaltung am Sonntagabend, Wertung: 8/10 (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: 80 %  – Verzweiflung statt Ehrenmord).

„Tatort: Familienaufstellung“ - Ehrenmord oder Ehedrama?
Foto: RB

By the Way: Stefan Niggemeyers Herz erobert hat dieser Tatort  schon, als Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) noch neben der Leiche anfängt, dem Ehemann der Toten (Roman Knizka) unangenehme Fragen zu stellen, und er sie anknurrt: Ehemann: Pietät ist für Sie wohl ein Fremdwort. Kommissarin: Pietät ist ein Fremdwort.

im TV gesehen: Tatort – Kassensturz (SWR)

Mittwoch, 4 Februar, 2009

Sonst bemängel ich ja oft Nebenschauplätze in unseren Lieblingskrimis am Sonntagabend, aber der letzte Tatort aus Ludwigshafen war da anders. Der Fall in der Lösung banal und weder von Art noch Motiv außergewöhnlich. Außergewöhnlich war aber der Plot. Jede gespielte Minute der Discounter-Tragödie nehme ich sofort für bare Münze. So und nicht anders stell ich mir die Arbeitsbedingungen bei den Suermärkten vor. OK, klar wird hier übertrieben.  Als Vorgesetzter aus der Hölle setzt vor allem Jan Henrik Stahlberg, der Antiheld aus „Muxmäuschenstill“, der Milieustudie ein fast satirisches Highlight auf, schreibt cinema – und hat recht. Auf jeden Fall ein aktiver, kurzweiliger Tatort,  ohne auch nur annähernd anbiedernd zu wirken. Starkes Buck, normale Odenthal und Kopper! Wertung: 8/10 (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: 40 % – der junge Vater mit Kind das erste Mal im Bild, da war das meiner Frau schon klar).

Kassensturz
Foto: SWR