Archiv für Mai 2008

im TV gesehen: Tatort – Todesstrafe (MDR)

Mittwoch, 28 Mai, 2008

CSI-Gewäsch statt Regionaldialekt, Großstadt-Einerlei statt Lokalkolorit – nach Saarbrücken und Stuttgart kommt es nun auch im Leipziger „Tatort“-Revier zum zeitgeistigen Generationswechsel. Und wie bei den Premieren im Saarland und im Ländle werden auch in Sachsen Tatort-Originale ersetzt, die ich nicht unbedingt zu meinen Favoriten zähle: Palu, Bienzler, Ehrlicher & Kain – da fehlt mir nix. Aber gibt es dafür einen Zugewinn? Im Saarland auf jeden Fall, bisher zwei Mal nicht enttäuscht. Stuttgart hat noch Potenzial, wenn die Personen sich entwickeln, aber Leipzig? Ein geheimnisvoller Seher (Keppler) und eine ambitionierte Hübsche (Saalfeld), naja. Die waren auch noch verheiratet? In einem anderem Leben vielleicht. OK, der Fall war nun kein Reißer, die Lösung naheliegend, aber wollen wir nicht zu negativ sein. Immerhin… Simone Thomalla und Martin Wuttke haben als neue „Tatort“-Ermittler am Sonntag Traumquoten eingefahren. Insgesamt verfolgten im Schnitt 8,48 Millionen Zuschauer den neuen „Tatort“ aus Leipzig. Das neue Duo erreichte einen Marktanteil von 26,5 Prozent, und kam damit noch 0,5 Prozentpunkte über die Jahresbestmarke der Reihe bis Ende März, die der NDR-„Tatort: Erntedank e.V.“ erzielte. Der Zuschauerschnitt lag bis zu diesem Zeitpunkt bei 7,16 Millionen Zuschauer je „Tatort“-Ausgabe.

Und Dank der wiederholungsgeschwängerten (EM-) Sommerpause lässte der nächste Fall nicht lange auf sich warten: „Ausweglos“ wird am 6. Juli um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Diesmal müssen Eva Saalfeld und Andreas Keppler den Mord an einer jungen Mutter aufklären. Von ihrem Baby fehlt jede Spur. Der dritte MDR-Tatort „Unbestechlich“ (Arbeitstitel) wurde gerade erst in Leipzig abgedreht und wird am 7. Dezember um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Zwei weitere Chancen, bevor ich mir ein endgültiges Urteil erlaube, in welche Kategorie die beiden Neuen fallen, zwischen „Sympatheträger“ wie Ballauf/Schenk bzw. Thiel/Böerne (wird schwer) sowie guter zweiter Klasse (Lindholm, Leitmeyer/Batic) – und Vera Blum ist ne Menge Platz. Wahrscheinlich zwischen Stuttgart und Saarbrücken – aber die haben ja auch noch einige Chancen, sprich „Welpenschutz“. Wertung: 5,5/10 (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: 50 %).


Foto: MDR

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Ein Königreich für ein Indiana Jones 4

Freitag, 23 Mai, 2008

Der Filmtipp der Woche ist ein Film, der zuerst gar nicht für möglich, dann sehnlichst erwartet und mit jeder Regung (Trailer, Poster, Filmsetfotos) in den einschlägigen Filmforen und-blogs fleißig kommentiert wurde – um dann einer herben Kritik ausgesetzt zu werden. So schreibt Spiegel Online nach der Filmpremiere von in Cannes: „Gegen so große Erwartungen kommen selbst Steven Spielberg, George Lucas und Harrison Ford nicht an: Ihr neuer Film „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ wurde beim Festival von Cannes eher verhalten aufgenommen. Die Erwartungen waren groß, die Ernüchterung danach ist es auch. Steven Spielbergs „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist ein wahnwitziges, mitunter wirres Spektakel.“ Filmstarts.de gibt auch nur schwache 6/10: „Gemessen an den wahnwitzigen Erwartungen, die von den Machern durch strengste Geheimhaltung zusätzlich geschürt wurden, ist „Indy 4“ somit wie befürchtet eine Enttäuschung.“

The Rudi von Symparanekronemoi meint bei einer Bewertung von 4.5/10: „Kingdom ist fraglos der schlechteste und enttäuschendste Film der Reihe, fügt sich damit jedoch nahtlos in Spielbergs desaströses Sujet der letzten fünfzehn Jahre ein. Vielleicht sollte er langsam mal aufhören Filme zu drehen und sich mit Lucas zur Ruhe setzen. Shia können sie gerne mitnehmen.“ Vincent Vega von From Beyond gibt immerhin 75%. „Ein schlechter Film ist The Kingdom of the Crystal Skull nicht, auch in Hinsicht auf die bisherigen Teile, nur ist er nicht nur unnötig, sondern ist dem Hype auch alles andere als gerecht geworden“, meint Grammaton Cleric von Equilibrium. Batzman von den 5 Filmfreunden: „Indy 4 ist nicht schlecht. Er ist nur einfach nicht besonders gut.“ „Die Welt von heute braucht andere Helden und andere Geschichten“ sagt Marcus Wessel auf seiner Filmseite. Erwartungen hin oder her: Es ist eben doch nur ein Popcorn-Abend-Film, oder habt ihr bei Indy 1 bis 3 in den 80ern auch so kritisch hingeschaut… „Der Film ist ein Geschenk an die Fans, die auch nach 19 Jahren Indiana Jones noch immer die Treue halten“, sagt Kingu von Movie Addiction zu Recht und gibt die Devise für den Kinobesuch vor.

im TV gesehen: Tatort – Krumme Hunde (WDR)

Mittwoch, 21 Mai, 2008

Krumme Hunde – das ist nicht nur der Titel des Tatorts sondern irgendwie sind Thiel und Boerne es ja auch: Keine richtigen Kommissare (ok, Thiel ja schon), immer mit sich selbst beschäftigt (oder mit dem Vater) und irgendwie überwiegt immer mehr das Zusammen- bzw. Gegenspiel der beiden Protagonisten und weniger der Fall. So auch Sonntag: kein roter Faden, und wenn, dann wurde er immer wieder verloren. Dazu ein über-überkanditeltes Spiel von Boerne, ein immer muffliger Thiel und sein nervender Vater – diesmal mit einer noch nervigeren Frau an seiner Seite. Zum Glück wurde die Staatsanwältin so gut wie außen vor gelassen… Zuviel Platz für die Personen, so wenig Verve für den Krimi. Da schläft der geneigte Tatort-Fan auch mal zwischendurch ein und muss sich nächsten Tag von den Schwiegereltern anhören, was man denn so an den beiden Münsteranern finde, diese seien doch total blöd! Und zum ersten Mal fallen mir wenig Widerworte ein…

Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) ermittelt auf dem Sportflugplatz. © WDR / Guido Engels
Foto: WDR

Wertung: nur 6/10 (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: 30 %). Kein Wunder, dass die beiden in einer jünsten Emnid-Umfrage nicht zu den beliebtesten aller Tatort-Kommissare gehören. Denn dort steht immer noch Schimanski (naja), gefolgt von Stoever und Brockmöller (verständlich) und… Haferkamp (aha!). Nicht erwähnt, aber auf keinen Fall vergessen darf man dabei: Walter Richter als Kommissar Trimmel und Klaus Schwarzkopf als Kommissar Finke. Und da nicht nur die Drehbuchautoren von Boerne und Thiel (die von Vera Blum sowieso) von den alten Herren lernen können, sondern auch die jungen Tatort-Zuschauer echte Klassiker sehen sollten – hier zwei aktuelle TV-Tipps als Pflichtprogramm:

Taxi nach Leipzig (NDR), Samstag, 24.05.2008, 20.15 Uhr im RBB Fernsehen und 23.15 Uhr im NDR (Erstausstrahlung: 29.11.1970)

und

Strandgut (NDR)
, Sonntag, 25.05.2008, 00.40 Uhr im NDR Fernsehen, (Erstausstrahlung: 25.06.1972)

Frauenkomödien oder lieber „Brügge sehen… und sterben“

Freitag, 16 Mai, 2008

 Nach „Love Vegas (3/10)“ in der letzten Woche und „Verliebt in die Braut (4/10)“ diese Woche freut sich der Mann bei soviel Frauen-Comedy-Schokoladensüßraspel-Kitsch endlich auf einen Männerfilm. „Brügge sehen… und sterben“ ein komischer Titel (im Original sehr viel einfacher „In Bruges“), wobei noch komischer ist, dass der Streifen im örtlichen Cinemaxx nicht läuft, sondern nur im Programmkino (wobei das durch den Neubau gerade auch im großen Cimemaxx zu Gast ist). Filmstarts.de gibt sehr gute 8 von 10 Punkte! Ich denke der abspannsitzenbleiber hat Recht: „Scheint ein sehr vergnügliches und sehenswertes Gangsterfilmchen mit viel britischem Humor zu sein.“ Und Grammaton Cleric von Equilibrium ist begeistert: „n Bruges ist all das, was das Kino sein sollte: Emotional – mal lustig, mal traurig; inspirierend, atmosphärisch, narrativ und mit einer ziemlich langen Halbwertszeit versehen. Aber eines gilt es zu beachten, will man in diesen Genuss kommen: Unbedingt, und dieses Mal meine ich es wirklich so ernst, wie noch nie zuvor, im Original schauen. (8-9/10)“. Auch TheRudi von Symparanekronemoi ist mit 8.5/10 begeistert! Ebenso Marcus auf seiner kleinen Filmseite: +++1/2!

 

Paranoid Park [Blu-ray] [2007]

Der geneigte Film-Importeur braucht diese Woche in einen anderen Filmtipp (7/10 bei filmstarts) gar nicht zu gehen, denn der neue Gus van Sant-Film „Paranoid Park“ ist als Blu-ray im Vereinigten Königreich schon längst erhältlich. Spiegel.de: „Realromantik in der MySpace-Generation: Die Pubertät ist kein Zuckerschlecken, aber so berückend klar und einfühlsam wie in Gus Van Sants meisterhaftem Teenager-Poem „Paranoid Park“ wurde sie selten in Szene gesetzt.“ In den Staaten wurde er auch angekündigt, bleibt aber „pending“: „We’ve received word from Tartan that it’s Spring Blu-ray titles are currently planned as U.K. releases only. No domestic release dates have yet been scheduled. We’ve updated our database accordingly (High Def Digest)“. So bleibt der UK-Import: Coded for all regions (A, B and C), features include: 1080P Widescreen (MPEG2),English 5.1 DTS-HD Master Audio, 5.1 Dolby True HD and 5.1 Dolby Digital, Trailer, Making Of, Future Shorts – Secret Cinema Event. Hier eine erste Kriitk der Disk. Mr. Vincent Vega von From Beyond bewertet seinen Kinobesuch allerdings nur mit 20 %

im TV gesehen: Tatort – Der frühe Abschied (HR)

Mittwoch, 14 Mai, 2008

Wie, was – Montagabend (Pfingstmontag), ZDF-Fernsehfilm am Montag oder schon der ARD-Film am Mittwoch , nee… Frankfurter Tatort: Seelenöffnung, Sozialkritik, weibliche Intuition gepaart mit Gefühlsmassage – auf der anderen Seite schnoddrige Männlichkeit der rationalen Art, naja, nicht so mein Ding, Und der Tatort startet brutal, für mich als jungen Vater zu brutal. Wie schreibt die Süddeutsche Zeitung: „Der Tatort lässt die Sehgewohnheiten des Zuschauers möglicherweise ein wenig taumeln. Der frühe Abschied ist ein schwieriger Film, weil er dem Zuschauer viel zumutet. Ein totes Kind, hoffnungslose Existenzen und vielfach ungelebte Leben. Der FIlm erzählt etliche Geschichten. Die vom Scheitern einer jungen Ehe ist dabei, die von der Überforderung einer jungen Mutter, die von den uneinigen Kommissaren und die von einem übereifrigen Gutachter.“ Und es tut weh: Am Anfang wird viel und laut geschrien, der Anblick des toten Kindes, der die Eltern in Verzweiflung stürzt, bleibt auch dem Fernsehpublikum nicht erspart. Später wird der kleine Junge noch auf dem Seziertisch liegen, vor den Augen eines sichtlich angegriffenen Fritz Dellwo. Mich eingeschlossen. Das ist zuviel! Trotz aktueller Nachrichtenlage und überraschend behutsamer Umgangsweise des Falls zwischen Schuldzuweisung und Verständnis bis Entlastung. Den Gefallen, den Fall hundertprozentig aufzulösen, tut dieser Tatort dem Zuschauer nicht. Das Ende kann ebenso versöhnlich wie nachdenklich stimmen. Mit „Der frühe Abschied“ platziert sich der Hessische Rundfunk auf der Hitliste der traurigsten Filme aller Zeiten. Kaum eine andere Produktion war so kalt und unsympathisch, meint Quotenmeter. Und so plätschert der «Tatort» vor sich hin, den man in einer halben Stunde abwickeln könnte. „Wer am Montagabend den misslungenen «Tatort» der herrlichen Sonne vorzieht, ist selber Schuld.“ Stimmt! Die Frankfurter Rundschau meint: „Es ist ein Tatort ganz ohne Verfolgungsjagden und Schusswechsel, ein Krimi der Zwischentöne und stillen Verheerung. Am Ende essen die Kommissare keine Currywurst.“ Ich brauch die Currywurst am Sonntagabend – für alles andere haben die öffentlich-rechtlichen Hauptsender ja ihre Fernsehfilmecken in der Woche… aber es war ja auch ein Montagskrimi. Wertung: 4/10 – davon ein Punkt als  Bonus für die schauspielerische Topleisting insbesondere von Tom Schilling (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: 30 %).

Kommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki, links) versucht, Zugang zu Tamara (Lisa Hagmeister) zu finden. © HR / Degeto / Bettina Müller
Foto: HR

im TV gesehen: KDD – 2. Staffel (ZDF)

Donnerstag, 8 Mai, 2008

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Mit größter Skepsis gestartet und gleich einen Volltreffer gelandet. ZDF, Freitagabend, 21.15 Uhr, die Serie “KDD- Kriminaldauerdienst” avancierte zum festen Termin im TV-Kalender: Interessante, vielschichtige (manchmal übertriebene) Charaktere mit guten Schauspielern, spannende (auch seltene) Fälle und fast immer einen Cliffhanger am Ende der 45 Minuten, der schwer an “24” erinnert. Und das beste: Die jeweils aktuelle Folge gibt es im Internet als Videostream – und das beim Seniorensender ZDF, Glückwunsch!

Und wer jetzt noch einsteigen will, denn die Erzählstränge sind lang und verwoben: Die erste Staffel ist bereits als Box mit drei DVDs erhältlich. Neben der kompletten Staffel enthält diese Box auch zahlreiche Interviews mit den Hauptdarstellern sowie ein Making of.  Beim ZDF online gibt es dann auch die erste Staffel in zwei Muniten kompakt.

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Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, mich je auf eine Fortsetzung im ZDF so gefreut zu haben (von “Ich heirate eine Familie” und “Die Wicherts von nebenan” einmal abgesehen”) wie auf die zweite Staffel von KDD. Und der Cliffhanger am Ende der ersten Staffel war genial: Ein unenttarnter Maulwurf, zwei angeschossenen Beamte…und mit dem selben Tempo, den selben Problemen und erneut abwechslungsreichen, spannenden Fällen geht es weiter…

Dabei ist es keine Selbstverständlichkeit, dass die neuen Folgen von „KDD – Kriminaldauerdienst” laufen. Trotz Adolf-Grimme-Preis 2008 in der Kategorie „Fiktion“. Die Quoten der ersten Staffel waren nicht berauschend – bei den jungen Zuschauern waren sie selbst für ZDF-Verhältnisse enttäuschend. Umso dankbarer muss man dem Sender sein, dass er Geduld beweist mit dieser sehenswerten, atemberaubenden deutschen Krimiserie. Sogar eine dritte Staffel wird bereits entwickelt (allerdings nur noch mit acht Folgen; die erste hatte zwölf, die zweite zehn). Neben diesen lobenden Worten hat das Fernsehlexikon auch noch ein interessantes Interview mit dem Autor Orkun Ertener.

im TV gesehen: Tatort – Exitus (RBB)

Donnerstag, 8 Mai, 2008

Der österreiche Tatort ist im Generellen, so urteilt Die Presse, immer etwas weniger Tatort als deutsche. Und das stimmt – auch bei mir hat es der Herr Eisner nicht leicht. Und wenn dann noch ein Kollege dazu kommt, der mich wieder einmal dazu bringt die Videotext-Tafel 150 aufzurufen, da ich das genuschelte österreichische Kauderwelsch so schlecht verstehe, wie einst das Geplapper vom altehrwürdigen Hans Moser, dann heisst es eigentlich: Kann man auch ausfallen lassen, den Tatort!

Aber an diesem Sonntag gab sich Herr Eisner mühe, der Fall war nicht der schlechteste, zumal der Mord ja auch erst in der zweiten Hälfte der 90 Minuten passierte… Nur in einem kann man der Presse auch noch Recht geben: Das war die wahrscheinlich unerotischste Fast-Romanze der Tatort-Geschichte. Und eins noch: Hat Deutschland sowenige gute bis mittelgute Schauspieler, dass die Protagonisten eines Tatorts die Nebendarsteller eines anderen Tatorts sein müssen, wie jüngst der eigentliche Chef des Frankfurt Duos, der im winterlichen Wien aufeinmal den Hausmeister macht… Ich sehe schon Robert Atzorn demnächst als Amokläufer durch den Bodensee laufen. Wertung: 6/10 (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: 50 %).