im TV gesehen: Tatort – Erntedank e.V. (NDR)

Die Grundidee des doch irgendwie an „Twin Peaks in der Gartenlaube“ erinnernden Tatorts stammt von Maria Furtwängler. Und die Schauspielerin wünschte sich für „Erntedank e.V.“ eine helle, warme und insgesamt freundliche Atmosphäre – die war auch zu beobachten. Nur mochte diese nicht so recht auf den Zuschauer über gehen. Ebenso wie der ganze Fall. Mitreissend ist etwas anderes und hintergründig spannend war es leider auch nicht. Die urigen Gestalten der Gartenkolonie waren sicher gut gewählt, doch keiner kommt einem da näher. Furtwängler als ermittelnde Mutter – das war nicht nicht Kommissarin und auch nicht Mutter, sprich: nicht Fisch, nicht Fleisch. Und der zweite Mord war so hervorsehbar… Trotzdem interessierte der Fall nach Senderangaben 9,07 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 26,0 Prozent).

Gedreht wurde übrigens in insgesamt vier Schrebergartenkolonien, die im Film als eine einzige gezeigt werden. Außerdem ist man als Einheimischer immer wieder erstaunt, dass Frau Lindholm immer nur die Raschplatzhochstrasse entlang fährt. Es gibt schönere Straßen in der schönsten Stadt der Welt. Und während Frau Kommissarin so fährt, läuft die vom jungen Avancen machenden Praktikanten der Rechtsmedizin geschenkte CD mit „You are so beautiful“ im Autoradio. Wir sind gespannt, ob, und wie Edgar in Zukunft noch mal auftaucht. Bestimmt nicht in Kommissarins Wohnung, denn der liebe Martin verriegelt vorher bestimmt die Tür.

NDR/Christine Schroeder)
Foto: NDR

Geschrieben hat das Buch übrigens Angelina Maccarone, die auch Regie führte und bereits den letzten Lindholm-Fall inszeniert hatte – und von protestierenden Aleviten massiv angefeindet wurde. Diese Gefahr sollte dieses Mal gebannt sein. Kein Kleingärtner Hannovers wird über die Darstellung beschweren dürfen: Das war Gartenzwerg-Freunde e.V. pur – so kenn ich es auch, also hier: absolutut authentisch!

Der nächste Lindholm-Tatort soll, nach den skurrilen Geschehnissen und Geheimnissen im Schrebergarten, eher wieder als Thriller angelegt sein. Die „Salzleiche“ soll am 12. Oktober 2008 gesendet werden. „So schön die Kuschelphasen mit dem Baby sind, sie müssen auch einmal wieder zu Ende gehen“ sagt Maria Furtwängler. Danke, denn Frau Lindholm als Mutter in Elternzeit mit einem Fall nach Miss Marple-Art ist schön und gut, hat aber eben nicht die Klasse und vor allem Unvergänglichkeit der schwarz-weißen Originale. Wertung: 4/10 (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: 60 %)

Advertisements
Explore posts in the same categories: Filmkritik, TV

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: