im TV gesehen: Tatort – Hart an der Grenze (SWR)

Kommissar Bienzle, das war altertümlicher, gemütlicher, schwerfälliger und überhaupt nicht spannender Krimi am Sonntagabend – weswegen der Stuttgarter Tatort der einzige war, den ich bewusst gemieden habe. Ok, neben Palü und ab und an hab ich ja auch bei Ehrlicher weggeschaltet. Aber die Alten sind nun weg: In Saarbrücken werkeln schon Palü’s Nachfolger Kappl und Deininger (und das nicht schlecht) und im Osten der Republik wird bald Assauers Thomalla nicht das Bier aus dem Kühlschrank wegtrinken, sondern Verbrecher wegschließen. Und seit Sonntag hat auch Stuttgart nach 15 Jahren Bienzle ein neues Ermittler-Team, Richy Müller trat seinen Dienst als Stuttgarter „Tatort“-Kommissar an – mit schnellem Flitzer aus dem Ländle, Split-Screen-Verbrecher-Jagd a la „24“ und einem jungen Kollegen Bootz, den er nach 90 Minuten Fall immer noch siezt. Für den ersten Fall des neuen Stuttgarter „Tatort“-Ermittlerteams interessierten sich am Sonntagabend 7,90 Millionen Zuschauer (21,8 Prozent Marktanteil) – und das bei starker Konkurrenz wie dem Rosamunde-Pilcher-Melodram „Pfeile der Liebe“, dem Comic-Action-Film „Fantastic Four“, „Navy CIS“, dem Historienfilm „Troja“ und der Vox-Dokusoap „Das perfekte Promi Dinner“ 2,65 Millionen (8,0 Prozent). Das beste Ergebnis aller bisher in diesem Jahr ausgestrahlten „Tatorte“!

Doch der erste Fall war „hart an der Grenze“ zum schlechten Durchschnitt, wobei die schauspielerische Leistung von Müller als Hamburger Lannert einiges aufwiegt. Und dann noch sein langsam aber stetig eingeführtes (offenes) Geheimnis – da ist Platz für mehr: mehr Geschichten und mehr darstellerisches Können. So lief zum Kennenlernen der beiden Cops im Hintergrund der Fall routiniert, ja fast langweilig, ab: „weder schafft es der Film, den Zuschauer für die verzweifelten kinderlosen Paare zu interessieren, noch für den kommerziellen Hintergrund der Adoptions-Industrie. Auch die Figuren bleiben bloße Behauptung – vom aalglatten Kinderhändler bis zum unrasierten Pädophilen, der hier von den Cops in gerechter Empörung mal so richtig hart rangenommen wird“, schreibt Spiegel Online – nicht zu unrecht. Und dann beklagt das Online-Magazin noch den mangelnden Lokalkolorit, der bei Bienzle immer sichtbar war. Sei es drum, geben wir dem neuen Duo aus dem modernen Stuttgart eine Chance auf bessere Fälle, spannendere Geschichten und heimischere Locations. Sie können ja fast alles im Ländle, ja sogar hochdeutsch im Tatort. Wertung: 6/10 (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: 40 %)

Lannert und Bootz (Bild: SWR/Jacqueline Krause-Burberg)
Foto: SWR

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