im TV gesehen: Tatort – Und Tschüss (NDR)

Der Oberlehrer tritt ab – aber das lasse sich verschmerzen, denn es ging oft moralisierend und harmlos zu, sagt Christian Buss von der taz. Atzorn versuchte im Ledermantel den harten Hund zu geben – und blieb stets ein unverbindlich moralisierender Oberlehrer, der in 15 Krimis seit Oktober 2001 mit Tilo Prückner, Julia Schmidt und später auch mit Ursula Karven ein Gespann bildete. Aber Atzorn hatte mit dem Hamburger „Tatort“ auch ein schweres Unterfangen zu stemmen, meint sat+kabel. Nach dem heiter-jovialen Auftritt der singenden Publikumslieblinge Manfred Krug und Charles Brauer musste sich der eher sachlich und introvertiert wirkende und selten lächelnde Atzorn erst einmal seine Anhänger erkämpfen. Dennoch schalteten regelmäßig sieben bis acht Millionen Menschen ein.

So auch am vergangenen Sonntag, als den 15. und letzten Fall von Hauptkommissar Jan Casstorff mit dem Titel „Und tschüss…“ ab 20.15 Uhr nach Senderangaben 7,01 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 19,4 Prozent) verfolgten. So auch wir. Erneut nichts spektakuläres, ein gut-böse-schwarz-weiß-Krimi mit persönlicher Note – seine Herzallerliebste wird entführt! Aber die Folge endet noch einmal spektakulär (naja!) in einer Verfolgungsjagd mit ordentlicher Ballerei zwischen Containern im Hamburger Hafen, Casstorff trifft den bösen Gangster mitten ins Herz, bevor er seine Herzdame befreien kann, und der Polizeikarriere endgültig abschwört. Das überromantische Ende fällt aus, obwohl Adam und Eva am Ende in den (nicht heiligen, aber Hamburger) Hafen einfahren. Kein Good-bye, kein Abschiedsschmerz – einfach vorbei!

Allein der Titel klingt so ein wenig despektierlich meint der STERN: „Und Tschüss“, als ob man noch schnell eine „Tatort„-Folge hingerotzt hätte, um Atzorn möglichst schnell und ohne Aufsehen zu verabschieden. Einen etwas würdigeren Abgang hätte man sich für Jan Casstorff schon gewünscht. Ok, schließlich habe der Kommissar uns von den insgesamt 15 Folgen mindestens zwei äußerst denkwürdige „Tatort„-Sonntagabende beschert, mit so glanzvollen Folgen wie „Investigativ“ über Watergate an der Waterkante, in der die Verflechtung von Medien und organisierter Kriminalität behandelt wurde. Oder „Schattenspiele“, wo es um Korruption im Abschiebegefängnis, illegale Medikamententests und Menschen ging, so der STERN. Das stimmt, das waren auch die einzigen Highlights, die mir im Gedächnis blieben.

Jetzt kommt ein neuer dran: Mehmet Kurtulus (35), dem Publikum bereits als Fahnder des Landeskriminalamts in Hannover aus den „Tatort“-Krimis mit Maria Furtwängler bekannt. Der Tatort-Fundes zeigt noch einmal den Wechsel an der Waterkant auf. Vielleicht wird Hamburg dann endlich als brachial boomende Weltstadt behandelt, hinter deren Glitzerfassade ziemlich unübersichtliche ethnische, soziale und ökonomische Konflikte toben, hofft der STERN. Vielleicht macht ihr einfach mal wieder gute Krimis, mit charakterintensiven Darstellern und Nähe zum Zuschauer! Wertung: 5,5/10 (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor: 35 %)

Wanda Wilhelmi und Casstorff (Bild: NDR/Maria Krumwiede)
Foto: NDR

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