im TV gesehen: Tatort – Wem Ehre gebührt (NDR)

Man wundert sich schon, wenn vor dem Original-Tatort-Vorspann mit Doldinger-Sound eine Hinweistafel mit „Fall frei erfunden“, „keine Absicht, religiöse Gruppen zu verunglimpfen“ oder ähnlich, auftaucht. Oh oh, mag man denken, das gibt Protest und herbe Kritik – und es ist ja auch passiert! Das generiert zumindest Aufmerksamkeit für schwächelnde öffentlich-rechtliche Sender… Mir ist es letztendlich egal. Man will ja eigentlich nur gut unterhalten werden am Sonntagabend. Sozusagen der Tatort-Sonntag zum Wochenendabschluss als quasi Wochenstartvorbereitung. Und meine Frau und ich sind wirklich große Fans. Kein Fall wird verpasst, keine Wiederholung in den Dritten gecheckt, ob wir die nicht vielleicht doch noch nicht gesehen haben. So war natürlich die Vorfreude auf den „Heimatfall“ der Furtwängler auch groß und passte prima in die vorweihnachtliche Stimmung.

Charlotte und Selda (Bild: NDR/Christine Schroeder)Der TV-Blogger-Redakteur Sascha Müller konnte “Wem Ehre gebührt” vorab sehen und bezeichnete die Produktion als “gut geschriebenes Drehbuch” und attestiert dem Film eine abwechslungsreiche und “über weite Strecken spannende” Handlung. Auch die anderen Kritiken im Web zu „Wem Ehre gebührt“ waren sehr angetan vom Fall. Sogar unser Heimatblatt HAZ gab 5 von 5 Sternen, Lokalpatriotismus hin oder her. Zumal der Redakteuer zu unrecht anmerkte, auswärtigen Zuschauern würde das Gefühl vermittelt, in Hannover gäbe es an jeder Ecke Cinemaxx-Kinos – aber so ist das eben, wenn man die beiden Hauptverkehrsstrassen lang fährt, die eine von Linden (Ihme-Zentrum)/Steintor kommend, die andere (Raschplatzhochstrasse) direkt unter dem (fiktiven Landeskriminalamt. Und hier war nicht nur das LKA fiktiv – ich denke an den Internetshop im Gehry-Tower (naja, zumindest Steintor passt ja). Das Ihme-Zentrum war mehr als real, ideale Lokation für die türkische (alevitische) Familie. Und warum weiss immer noch keiner, wer der Vater von Lindholms Kind ist. Und was auf einmal der türkische Kollege Cem Aslan hier. Der baldige Hamburger Nachfolger von Robert Atzorn ermittelt sich in Hannover also warm. Hier wird der Zuschauer allein gelassen…

Zur Story kurz und knapp: es war doch nach 20 Minuten klar, dass der Vater auch der Vater des Kindes seiner jüngeren Tochter war… Spannung, wo? Die innerfamiliären Verzwickungen haben uns nicht vom Hocker gerissen. Und wieder einer dieser sozialkritischen Fälle. Diese häufen sich in letzter Zeit (HR, RB, etc.) eklatant. Man kann es nicht mehr sehen. Da lob ich mir die WDR-Kollegen Ballauf und Schenk bzw. Boerne und Thiel, aber dazu an anderer Stelle mehr… Wertung: 5/10 (Heimkriminalistischer Rätsel- und spannungserhaltender Aufklärungs-Faktor*: 40 %)

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Fotos: NDR/Christine Schroeder

by the way: Für diesen Tatort wurde sogar in unserer neuen Laatzener Sporthalle der Albert-Einsteinschule beim Training der VfL Grasdorf Basketball-Damen gedreht fotografiert… und unsere sportlichen Damen warteten bestimmt gespannt… aber lediglich einige Fotos an der Pinnwand der jungen Türkin (Alevitin) gaben einen Verweis, dass diese Basketball spielte. Nicht die einzige Enttäuschung lieber NDR.

basketball_tatort.jpg

* Der „heimkriminalistische Rätsel- und spannungserhaltende Aufklärungs-Faktor“ gibt subjektiv an, wie schnell der Zuschauer den Täter vor den Ermittlern erraten hat bzw. konnte (0 %= „sofort klar, wer es war!“; 100 % = „wir sind auch nicht – so schnell – drauf gekommen!“)

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