Wer hat’s gesehen? Eva Herman! Jetzt aber an den Herd…

wunschliste.deSie hat’s getan, sie hat es schon wieder getan, und ich hab’s gesehen bei „Wer hat’s gesehen?“ auf N3! Endscheidung zwischen zwei Kandidaten, Eva Hermans Schätz-Stichfrage: „Wieviel schaut der Deutsche im Durchschnitt fern?“ – „193 Minuten ist richtig“! Weiss ich, denn ich war auch schon mal Gast in der Spielshow, Dezember 2000 in der allerersten Sendung! Und da hat Sie dieselbe Stichfrage aus dem Ärmel geschüttelt (ja, im wahrsten Sinne geschüttelt, denn sie hatte die richtigen Stichfragen in der Garderobe vergessen!) Das weiß natürlich keiner, denn es wurde neu inszeniert und geschnitten! Aber hier steht die Wahrheit!

ich als KandidatLiebe Eva, liebe Redaktion, wenn die Lösung im Jahr 2ooo schon 193 Minuten war, gehe ich nicht davon aus, dass die Deutschen ihren TV-Konsum nicht doch erhöht haben in den letzten Jahren, quasi als TV-Inflation! 2005 waren es laut Focus nämlich schon 211 Minuten! Habt ihr wohl einfach die alten Stichfragen von 2000 aus dem Ärmel geschüttelt! Eva an den Herd! NDR mal über GEZ-Gebührensenkung nahdenken…

DIE WAHRHEIT!

Am 27. Dezember 2000 startete „Wer hat`s gesehen?“ –
ein neues TV-Quiz auf N3 – der Sender der bei unseren Eltern
immer noch „Drittes Programm“ heißt.
Und Ihr werdet es kaum glauben…
Leunig war einer der Kandidaten in dem Quiz.
Was Leunig alles in der Hansestadt Hamburg erlebt hat, berichtet er hier auf in seinem ultimativen Blick hinter die Kulissen!

So musste sich Uli Stielike nach seinem verschossenen Elfmeter im WM-Halbfinale gegen Frankreich 1982 gefühlt haben: zusammengekniet hockt er auf dem Boden, das Gesicht vergraben; er fühlt sich leer, erschöpft, enttäuscht, der Versager der Nation… und alle haben es gesehen, er sieht seinen Namen schon prangern, in der Zeitung mit den vier großen Buchstaben… doch dann kam damals Horst Hrubesch. Nachdem Toni Schumacher in heldenhafter Manier zwei Elfer hielt, schob das „Kopfball-Ungeheuer“ den Ball leger in das französische Tor – Deutschland war im Finale gegen Italien und selbst der immer noch in sich vergrabene Uli Stielike bemerkte es endlich, als Pierre Littbarski ihm vom Boden aufhalft und anschließend herzte.

Doch bei mir kam kein Horst Hrubesch, keiner der die Kohlen aus dem Feuer holte. Wie ein geprügelter Hund schlich ich durch die Zuschauerreihen in den Katakomben des NDR-Studios in Hamburg. Sie guckten mich an. „Da, da ist er ja“, es quälte mich. Meine Ex-Freundin Sandra hatte es schwer als Pierre Littbarski-Ersatz, schließlich wusste sie: es gibt kein Happyend. Und dann kam auch noch einer der Sekt trinkenden Zuschauer auf mich zu und sprach mich an: „Da ist er ja, … der unglückliche Verlierer. Stefan, für mich hättest du – wenn es regelgerecht zugegangen wäre – das Ding gewonnen!“ Meine Ex nickte zustimmend. Und erst so langsam wurde mir bewusst, was eigentlich passiert war…

Das Ding war die Aufzeichnung zur Premierensendung der Quizshow „Wer hat´s gesehen?“ und durch einen komischen Zufall war ich einer der drei Kandidaten – und leider auch der erste Kandidat, der wieder gehen durfte! Eva Herman, bekannt als Tagesschau-Sprecherin und Talktante, führte durch die Sendung, bei der es um Kult im TV ging. Fragen übers Fernsehen, dass sollte doch klappen, schließlich verbrachte ich mein halbes Leben vor dem Gerät. Und es ging auch, … nicht immer astrein, aber ein paar Punkte konnte ich abstauben. Am Ende der ersten Fragerunde musste einer ausscheiden, eine Schmach für den TV-Junkie. Frank war schon durch, Dorothea und ich hatten die gleiche Punktzahl, das hieß: Stechen! Und hier passierte folgendes, das natürlich nicht über den Sender ging, aber mir den Sieg kostete, beziehungsweise das Weiterkommen, doch der Reihe nach:

Die letzte Frage ist gestellt. Natürlich hieß das Abba-Stück mit dem die schwedische Popgruppe den Eurovisions-Contest gewann „Waterloo“ und jetzt begann mein „Waterloo“. Eva Herman stellt die Stichfrage: „Wie oft gucken die Deutschen im Durchschnitt pro Tag Fern?“. Ich sage: „Na ja, so 3 Stunden, sprich 180 Minuten“ (und ich war mir damit ziemlich sicher). Dorothea schätzte 160 Minuten. „Damit müssen wir uns leider von Stefan verabschieden, denn die Deutschen schauen im Durchschnitt 153 Minuten fern. Ciao Stefan. Dorothea ist am nächsten dran und damit in der nächsten Runde.“ Na danke, denke ich. Ich war mir doch so sicher, die Enttäuschung ist mir ins Gesicht geschrieben, ich versuche noch eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen, aber vergebens, ich bereite meinen Abgang vor.

Doch dann die Stimme aus dem Off – der Regisseur mischt sich ein: „Eva, sorry, aber Stefan ist weiter. Die Deutschen schauen 193 Minuten pro Tag fern.“ Aha, war mir doch gleich so, also was jetzt. Eva stottert, wühlt unsicher in ihren Papieren und Zetteln. Stille. Alle Blicke sind auf Eva Herman gerichtet. „Ähm, sorry ans ganze Team, ich habe meine Fragen zum Stechen in der Garderobe vergessen!“ Aha, so ist das also, einfach eine Frage aus dem Ärmel geschüttelt, wa? Und nu? „Ja, da müssen wir wohl noch mal eine neue Stichfrage stellen“, so die Stimme aus dem Hintergrund. Wieso neue? Stellt doch noch mal die Frage mit dem TV-Konsum der Deutschen, wir geben die gleichen Antworten und fertig. Von wegen, noch mal Abba an der Ratewand, noch mal die schlaue Erkenntnis, dass ein Stechen entscheiden muss, und noch mal die Frage nach dem täglichen TV-Konsum der… Mazedonier? hä? Wieso denn das jetzt, na ja, da muss ich wohl durch, ändern kann ich ja eh nix. „So 120 Minuten“, schätze ich, in der Annahme, die Kollegen aus dem Süden Europas haben gar nicht so viel Fernseher. „140 Minuten“ sagt Dorothea und ist in der nächsten Runde, denn die Mazedonier verbringen wie ich ihr halbes Leben vor dem TV. Und ich bin raus, endgültig, raus. Auf Wiedersehen, die Schande der Nation….Uli Stielike-Effekt und ich gehe ab.

Das waren sie also, meine fünf Minuten Ruhm, von denen Andy Warhol mal was erzählte…schön das sie so zu meinen Gunsten zuende gingen. Aber was soll es, ich habe mich ja schon für „Wer wird Millionär?“, die „Quizshow“, etc. beworben und irgendwann, kommt meine Stunde. Spätestens wenn Günter Jauch mich dann bei der Eine-Million-Euro-Frage fragt, wie oft die Mazedonier so im Durchschnitt TV schauen, dann hat es mir doch noch was gebracht. Siehste.

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